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Mehr Transparenz und Fairness – mit diesen Schlagworten werben Banken für die neuen Regeln, die ab dem 15. Januar bei den Gebühren für die Nutzung fremder Geldautomaten gelten. Neu ist, dass die auszahlende Fremdbank nun die von ihr verlangten Kosten klipp und klar am Geldautomaten bekannt geben muss.

 

Im Sparkassenbereich sollen sich diese Kosten auf fünf Euro belaufen, die Geschäftsbanken wollen unter zwei Euro nehmen. Der Fremdkunde hat so die Möglichkeit, die Preise vor einer Fremdabhebung zu vergleichen. Ob dies für mehr Konkurrenz und damit für mehr Preisdruck sorgen wird, oder ob die Neuregelung vor allem für Kunden von Direktbanken für mehr Frust sorgen wird, muss die Zukunft zeigen.

Bislang war es üblich, dass die Kunden unabhängig davon, bei welcher Bank sie Geld holten, für die Nutzung fremder Geldautomaten mit der EC-Karte eine Pauschalgebühr an ihre Hausbank zahlten. Je nach Bank wurden zumeist vier bis fünf Euro pro Abhebung kassiert, wenn der Geldautomat von einer fremden Bank betrieben wurde. Abhebungen innerhalb der eigenen Bankengruppe – beispielsweise Großbanken, Genossenschaftsbanken oder Sparkassen – waren gebührenfrei und sollen dies auch zukünftig bleiben.

Insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken nutzten die Tatsache, dass in ländlichen Gebieten nur Geldautomaten dieser Institute zur Verfügung stehen, für Nadelstiche in Richtung Direktbanken. Bis zu 20 Euro wurden diesen Instituten intern in Rechnung gestellt, wenn sich ein Direktbankkunde an die fremden Automaten wagte – und dies bei Eigenkosten für eine Automatenabhebung von unter einem Euro. Da die Direktbanken diese hohen Kosten nicht auf den Kunden abwälzen können, sondern diesem einen kostengünstigen Zugang zum Geldautomaten gewährleisten müssen, blieben sie auf der Differenz sitzen und mussten die Abhebungen ihrer Kunden hoch subventionieren.

Während beim länger tobenden Streit um die Automatengebühr für Fremdkunden die Privat- und Direktbanken auf eine gesetzliche Deckelung der Abhebungsgebühren drängten, setzten sich die regionalen Kreditinstitute mit ihrer Forderung durch, die zwischen den Banken berechneten Pauschalgebühren abzuschaffen und die Automatengebühren direkt an den Kunden weiterzuleiten. Dann, so die Argumentation, werde der Wettbewerb für eine Senkung der Gebühren sorgen.

Das dürfte jedoch nur in größeren Städten der Fall sein, wo dichte Automatennetze vorhanden sind und die privaten Banken im Wettbewerb mitmischen. Diese Bankengruppe hat sich im Gegensatz zu den Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereits dazu verpflichtet, pro Abhebung maximal 1,95 Euro in Rechnung zu stellen. Hier kann es bei Fremdkunden durchaus zu einer Abstimmung mit den Füßen weg von Sparkassenautomaten kommen. Es kann deshalb passieren, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken eine zweigleisige Gebührenpolitik fahren dürften: Während in Ballungsgebieten die Gebühr an die private Konkurrenz angepasst wird, ist in ländlichen Räumen dank des Duopols zweier Bankengruppen mit weiterhin hohen Gebühren zu rechnen.

Trifft dies ein, werden in erster Linie Direktbankkunden, die auf dem Land wohnen, die Leidtragenden sein. Wenn zehn Euro für eine einzige Geldabhebung kassiert werden und der Automat für die weitaus kostengünstigere Kreditkarte gesperrt ist, wird die Freude am preisgünstigen Direktbankkonto schnell vermiest. In manchen Fällen dürfte dann sogar das Kalkül der Automatenbetreiber aufgehen, dass der Kunde reumütig zur regionalen Filialbank zurückkehrt.

Damit bleibt abzuwarten, wie das Bundeskartellamt, das eine gesetzliche Obergrenze bei den Gebühren abgelehnt hat, auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert. Sollten sich tatsächlich signifikante Preisdifferenzen bei den Automatengebühren in städtischen und ländlichen Räumen zeigen, dürfte es nicht allzu lange dauern, bis sich die Frage nach dem Missbrauch einer marktbeherrschenden Position stellt. Dann wird möglicherweise nicht der Gesetzgeber, sondern der Bundesgerichtshof die Schmerzgrenze bei den Gebühren am Geldautomaten festlegen.

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